Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-09
Auf See.
13.40 Uhr, 77 Grad 58 Minuten Nord: Die ersten Treibeisschollen kommen uns entgegen. Spaeter faellt Schnee.
Ich stehe lange auf der Bruecke und schaue in die Wellen mit ihren Schaumkronen. Diese Beschaeftigung kann suechtig machen. Es scheint immer das gleiche zu sein, eintönig, was man da sieht, ist es aber nicht. Das kann man nicht erklaeren. Nebenher beobachte ich ein paar
Seevoegel: Dreizehenmoewen, Eissturmvoegel, Dickschnabellummen (doch, die heissen wirklich so).
19.10 Uhr, 79 Grad 33 Minuten Nord: Wir erreichen das Packeis. Wir stehen stundenlang auf der Bruecke (steuerbord) und halten Ausschau nach Eisbaeren. Ohne Erfolg. Eine Passagierin wirft in ihrer Kabine einen schnellen Blick aus der Luke (backbord) und sichtet auf einer rasch davontreibenden Eisscholle eine Eisbaerin mit Jungem.
Nun beginnt also unsere tagelange Fahrt durch das arktische Meereis, die unberechenbar-ruckelnde Bewegung des Schiffes wird zu einem maritimen Seins-Zustand, der am ersten Tag interessant, am zweiten noch ertraeglich, dann aber rasch nervig wird. Da muss man durch; und belohnt wird man von der nie langweilig werdenden wilden Schoenheit des Eis, dieser ganz speziellen „Landschaft“ aus Eisflaechen, langen Ruecken aus Presseis, die entstehen, wenn Eisschollen zusammengeschoben werden, einzelnen Eisbloecken, dazwischen Flaechen und Rinnen offenen Wassers.
An deren Rand liegt manchmal eine Robbe. Futter fuer Eisbaeren. Wir geben die Hoffnung nicht auf.
Wolfgang Bluemel, Lektor