Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-14
Auf See.
Neun Uhr, null Grad Aussentemperatur, dichter Nebel. Bis Franz-Josef- Land sind es noch 230 Nautische Meilen.
Um elf Uhr nehme ich an der Besichtigungstour der Maschinenraeume teil.
Durch Gaenge und ueber steile Treppen geht es hinab in den Bauch des Schiffes. Ein kurzer Blick durch ein Fenster in den Reaktorraum. Wir werden oft gefragt, wieviel Strahlung man auf diesem Sciff abbekommt.
Die Antwort ist, dass man an klaren Tagen auf den Aussendecks durch die kosmische Strahlung mehr belastet wird als in den inneren Partien des Schiffes durch die Strahlung der Reaktoren. Wer viel fliegt, wird ungleich staerker belastet. Danach Besuch des Kontrollraumes, in dem vier oder fuenf Maenner in Vier-Sunden-Schichten den Reaktor ueberwachen. Wer so etwas noch nicht gesehen hat, fuehlt sich am ehesten an Staffagen aus James-Bond-Filmen erinnert. Wir sehen uns dann die Antriebswelle und Teile des Steuermechanismus an. Das alles wirkt titanisch, die ungeheure Kraft der Maschinen ist zwar fuer den Nichttechniker kaum einzuschaetzen, aber auf jeden Fall ueberwaeltigend.
Wir haben vor der Besichtigungstour von einem technischen Offizier gelernt, dass die „50 Jahre Sieg“ selbst durch drei Meter dickes Eis noch mit einer Geschwindigkeit von drei Knoten, also mit Fussgaengergeschwindigkeit faehrt.
In der Nacht dann noch eine Begegnung der ganz anderen Art: Wir naehern uns einem Eisberg, Hinweis auf die nicht mehr allzu weit entfernten Gletscher Franz-Josef-Landes, von denen dieser relativ kleine Eisberg abgebrochen ist. Der Kapitaen steuert das Schiff persoenlich, faehrt sehr langsam heran, und schiebt dann den Bug sachte auf den Eisberg; den dieses Manoever ueberhaupt nicht beeindruckt – er weicht keinen Fussbreit.
Wolfgang Bluemel, Lektor