Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-17

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July 17th, 2008 | 3:47 pm

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-17 

Franz-Josef-Land, Wilczek Island 

Arktische Landschaften sind abstrakte Landschaften. Abstrakt im genauen Wortsinn, abgezogen sind hier weitgehend Pflanzen und Boeden. Es nackte Landschaften, kahle Berghaenge, Kliffs, Gesteinsschutt, bedeckt nur von Schnee und Eis. Fuer Geologen ein Beobachtungsparadies, die Gesteine und ihre Strukturen sind offen gelegt.

Arktische Landschaften sind aber auch aesthetisch abstrakte Landscaften, was man spaetestens dann merkt, wenn man zu Hause seine Fotografien wieder anschaut. in unerschoepflichen Variationen finden sich Reduktionen auf Kontraste heller Schnee- und Eisflaechen gegen dunkle Gesteinsflaechen, die unregelmaessigen Muster des Meereises, die gesetzmaessigen Formen der Gletscher und Eiskappen, die geometrischen Strukturen der Frostmusterboeden. Heute Vormittag bot sich die Kueste der Wilczekinsel dem Blick in Form zweier duenner, dunkler, waagerechter Linien vor hellem Hintergrund dar. Das Bild erinnerte an gewisse japanische Tuschezeichnungen, die aeusserst sparsam in den Mitteln und formal radikal auf das Notwendigste reduziert ihre eigene Abstraktion gefunden haben, weitab von europaeischen Wegen der abstrakten Kunst, die nur zufaellig zu aehnlich erscheinenden Ergebnissen fuehrten. Die untere Linie war der Schatten des langgezogenen Gletscherabbruchs, sie trennte optisch das Meereis von dem Scheehang darueber; die obere Linie ein Steilhang, die Traufkante des Tafelberges gewissermassen, sehr steil und daher schneefrei, darueber Schnee und eine flache Eiskappe, deren Weiss mit den Wolken verschmolz.

Ein abstrakt-kuenstlerischer Blick kommt hier also auf seine Kosten, und da auch die Geologie einen gewissen abstrahierenden Blick erfordert, fuegt sich fuer mich hier alles bestens zusammen.

Uebrigens fehrt das dazu, das man sich an Land, wo immer sich ein wenig Vegetation zeigt, begierig auf fast jedes Bluemchen stuerzt und man am liebsten gleich alle fotografieren wuerde. In der Antarktis ist noch eine Steigerung dieser Entzugserscheinungen moeglich, dort haben wir einsame Grasbueschel als allerletztes Gruen fotografiert.

 Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-16

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July 16th, 2008 | 3:46 pm

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-16

Franz-Josef-Land, Hooker Island, Rubini Rock und Tichaja Buchta, sowie Northbrook Island, Cape Flora.

Am fruehen Morgen fahren wir mit unserem Schiff bis auf wenige Meter an den Rubini Rock heran, einen hohen Vogelfelsen, wo Krabbentaucher, Dickschnabellummen und Dreizehenmoewen auf Basaltsaeulen nisten. Nach dem Fruehstueck dann Anlandung in der Tichaja Buchta (Stille Bucht), eine alte Forschungsstation. Ich steige die steilen Haenge hinauf und geniesse die Aussicht ueber die Bucht und auf den gegenueberliegenden Rubini Rock. Am Nachmittag dann eine weitere Anlandung auf Kap Flora, ein entdeckungsgeschichtlich legendaerer Ort, an dem Fridtjof Nansen und F. H. Johansen zufaellig auf Frederick Jackson trafen. Auch hier steige ich schnell den Hang hinauf, um mir das bisschen Bewegung zu verschaffen, das mir auf Schiffen immer fehlt. Fuer die Beobachtung der Geologie bleibt leider keine Zeit, da war Nansen besser dran, von ihm stammt ein sauber gezeichnetes Profil, das ich in meinem Vortrag ueber die Geologie der Arktis den Passagieren zeige.

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-15

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July 15th, 2008 | 1:57 pm

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-15

Franz-Josef-Land, Jackson Island, Cape Mills.

Der Tag beginnt wie geplant, um Viertel vor Neun fliegen wir mit dem Helikopter zu unserem Vormittagsziel, Cape Norway auf Jackson Island.

Die Sonne scheint mit polarer Zurueckhaltung, ein paar Wolken verteilen sich zwanglos ueber den Himmel, nur ueber der Nachbarinsel Payer Island haengt truebselig eine Nebelbank. Optimale Bedingungen also fuer eine Anlandung. Denken wir – zunaechst.

Das Wichtigste, das man lernen muss, wenn man in der Arktis reist, ist, dass es den einen grossen, limitierenden, alles bestimmenden, unerbittlichen Faktor gibt: das Wetter. Und dass dieses arktische Wetter nahezu unvorhersehbar ist und sich in kuerzester Zeit aendern kann.

Dabei ist das sommerliche Wetter eigentlich meistens gut. Selbst jetzt, in meinem vierten Sommer in der Arktis kann ich mich nicht an einen Regentag erinnern. Schnee Ende August, ja, aber in Maszen, denn die Hocharktis ist klimatisch eine Wueste, eine Kaeltewueste. Es ist nicht das nasse Wetter wie in unseren mittleren Breiten, das den Reisenden in der Arktis zu schaffen macht, auch die Kaelte, sondern der allgegenwaertige Nebel, der beruechtigte Polarnebel, der sich vor allem ueber dem Meereis bildet, wo Feuchtigkeit und Kaelte zusammenkommen.

Erreicht man die „Eiskante“, laesst der Nebel in der Regel nicht lange auf sich warten.

Wir sind gerade gelandet und haben unsere Rettungswesten abgelegt; beginnen uns zu wundern, warum der Helikopter nicht zum Rueckflug abhebt, um die die ersten Passagiere vom Schiff zu holen, da heisst es ueber die Funkgeraete: Alle wieder einsteigen. Wir fliegen zurueck zum Schiff. Eine Nebelbank schiebt sich heran. Wir landen auf dem Helikopter-Deck des Eisbrechers, und wenige Minuten spaeter zieht es zu.

In einer solchen Situation kann es passieren, dass die Fluege eingestellt werden muessen, wer dann noch an Land ist, sitzt fuers Erste fest. Das wollen wir natuerlich unbedingt vermeiden.

In den folgenden eineinhalb Stunden koennen wir das Hin- und Herwabern des Nebels beobachten: Payer Island bleibt staendig eingehuellt, ueber Cape Norway bleibt es unbestaendig, aber das Kap linker Hand, Cape Mills, erfreut sich ununterbrochenen Sonnenscheins. Also beschliessen wir gegen Mittag, dort anzulanden. Der Tag ist gerettet.

Cape Mills: Die Hochflaeche eines Plateauberges, Gesteinsschutt aus Basalt, bis auf wenige freie Stellen alles schneebedeckt. Das Kliff zeigt die saeulenfoemige Struktur des Basalts (aus dem Jura, etwa 150 Millionen Jahre alt), auf der Hochflaeche ist deutlich eine Polygonalstruktur im Verwitterungsschutt zu erkennen, Hinweis auf den Dauerfrostuntergrund. Soviel Geologie musste jetzt einfach einmal sein.

Die Landschaft kann man nun je nach Geschmackslage eintoenig oder grandios finden. Aber wer hier reist, und sich nicht ungluecklich in die Arktis verirrt hat, neigt dazu, sich von diesen arktischen „Einoeden“ immer wieder ueberwaeltigen zu lassen. Die strenge, fast abstrakte Komposition aus schwarzen Felsen und Gesteinsflaechen sowie weissem Eis und Schnee haelt das Auge wach und fordert zu staendigem Hinschauen auf, der Blick tastet die Linien ab und gleitet ueber die Flaechen. Man wird dessen nicht muede, aber dann muss man leider wieder in den Helikopter und zurueck aufs Schiff. Schade fuer die Augen, gut fuer den Magen. Der Lunch wartet.

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-14

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July 14th, 2008 | 1:55 pm

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-14

Auf See.

Neun Uhr, null Grad Aussentemperatur, dichter Nebel. Bis Franz-Josef- Land sind es noch 230 Nautische Meilen.

Um elf Uhr nehme ich an der Besichtigungstour der Maschinenraeume teil.
Durch Gaenge und ueber steile Treppen geht es hinab in den Bauch des Schiffes. Ein kurzer Blick durch ein Fenster in den Reaktorraum. Wir werden oft gefragt, wieviel Strahlung man auf diesem Sciff abbekommt.
Die Antwort ist, dass man an klaren Tagen auf den Aussendecks durch die kosmische Strahlung mehr belastet wird als in den inneren Partien des Schiffes durch die Strahlung der Reaktoren. Wer viel fliegt, wird ungleich staerker belastet. Danach Besuch des Kontrollraumes, in dem vier oder fuenf Maenner in Vier-Sunden-Schichten den Reaktor ueberwachen. Wer so etwas noch nicht gesehen hat, fuehlt sich am ehesten an Staffagen aus James-Bond-Filmen  erinnert. Wir sehen uns dann die Antriebswelle und Teile des Steuermechanismus an. Das alles wirkt titanisch, die ungeheure Kraft der Maschinen ist zwar fuer den Nichttechniker kaum einzuschaetzen, aber auf jeden Fall ueberwaeltigend.
Wir haben vor der Besichtigungstour von einem technischen Offizier gelernt, dass die „50 Jahre Sieg“ selbst durch drei Meter dickes Eis noch mit einer Geschwindigkeit von drei Knoten, also mit Fussgaengergeschwindigkeit faehrt.

In der Nacht dann noch eine Begegnung der ganz anderen Art: Wir naehern uns einem Eisberg, Hinweis auf die nicht mehr allzu weit entfernten Gletscher Franz-Josef-Landes, von denen dieser relativ kleine Eisberg abgebrochen ist. Der Kapitaen steuert das Schiff persoenlich, faehrt sehr langsam heran, und schiebt dann den Bug sachte auf den Eisberg; den dieses Manoever ueberhaupt nicht beeindruckt – er weicht keinen Fussbreit.

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-12

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July 12th, 2008 | 1:55 pm

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-12

Am Nordpol.

00.07 Uhr Schiffszeit – wir sind am Nordpol. „90 Grad 00,000 Minuten“.

Wir haben diese exakte Position ueberraschend schnell und ohne langwierige Manoever erreicht.

Wie schon bei meiner ersten Reise vor zwei Wochen ist es ein seltsames Gefuehl, den Nordpol erreicht zu haben. Einerseits fast ein wenig banal, denn dieser Flecken Meereis unterscheidet sich in nichts vom umgebenden oder von weiter entferntem Packeis. Andererseits eine Art erhabenes Gefuehl, an diesem einzigartigen Punkt der Erde zu stehen. Einfach und unbeschreiblich.

In den letzten Stunden, in denen wir auf den Pol zusteuerten, fielen mir sehr weite Flaechen mit Schmelzwasser auf, also Wasser aus geschmolzenem Schnee, das tuerkisblau das Eis ueberzieht, dazwischen Rinnen mit tiefazurblauem Meerwasser. Diese riesigen Schmelzwasserpfuetzen waren vor zwei Wochen noch nicht da. Wie ich hoere, hat das mit Klimaerwaermung nichts zu tun, das ist im arktischen Sommer voellig normal. Angesichts derartiger Eisverhaeltnisse versteht man, warum die Versuche, zu Fuss zum Pol vorzustossen, stets im Fruehjahr stattfanden; jetzt im Sommer waere das Eis unpassierbar.

Am naechsten Morgen hat unser Schiff gut zwei Bogenminuten oder knapp vier Kilometer vom Nordpol entfernt eine groessere feste Packeis-Scholle gefunden, auf der wir „anlanden“ koennen. Um neun Uhr wird die Gangway geoeffnet, wir gehen auf das Eis und bilden einen weiten Kreis um den „North Pole“ (ein unuebersetzbares Wortspiel, denn im Englischen bedeutet dies den Nordpol wie auch unsere „Nord-Stange“ („pole“ gleich Stange oder Pfosten). Der Kapitaen haelt eine kurze Ansprache, dann werden abertausende Fotos geschossen.

Ich spaziere soweit moeglich ueber das Packeis (die Grenze ist durch unsere bewaffneten Baerenwaechter vorgegeben) und wuerde gerne noch viel weiter wandern durch diese faszinierende Eislandschaft.

Am Nachmittag lichtet sich der Nebel und wir koennen nach einem Open- Air-Barbecue Helikopter-Rundfluege anbieten.

Waehrend unserer Outdoor-Aktivitaeten ist das Schiff mit der umgebenden Eisscholle wieder auf den Pol zugedriftet, hat ihn allerdings um knapp eine Bogenminute oder um eine Nautische Meile verfehlt. Um 19 Uhr nimmt unser Eisbrecher wieder Fahrt auf, Richtung Sueden, logisch, wohin sonst?

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-11

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July 11th, 2008 | 1:52 pm

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-11

Auf See / am Nordpol.

Kurz nach 17 Uhr springt die Positionsanzeige des Schiffes auf 89 Grad noerdliche Breite. Uns trennen noch ein geographischer Breitengrad oder 60 Nautische Meilen (108 Kilometer) vom Nordpol. Nun wird es spannend:
Wann werden wir ihn erreichen? Gegen elf Uhr? Gegen Mitternacht?
Spaeter? Wie schon auf der letzten Reise sind wir ausserordentlich schnell vorangekommen, der Kapitaen kann sich nicht erinnern, dass ein Eisbrecher es je in so kurzer Zeit geschafft haette. In einem Briefing erklaert unser Expeditionsleiter Laurie den Passagieren, was sie am Nordpol erwartet: die heutige oder morgige Nordpol-Zeremonie mit Countdown, Schiffssirenentuten, Sekt und einer kurzen Rede. Morgen dann ein Tag auf dem Eis.

Fuer ein Schiff ist es ueberraschend schwierig, die exakte 90-Grad- Position des Pols zu erreichen. Das haengt mit der Messgenauigkeit heutiger GPS-Geraete (Geraete zu Positionsbestimmung) zusammen, die ihre Position auf eine Tausendstel Bogenminute genau anzeigen, das entspricht einer Strecke von 1,8 Metern. Die Schwierigkeit, unser Schiff –
genaugenommen: das GPS-Geraete des Schiffes – punktgenau auf den Pol zu steuern, hat verschiedene Gruende: mathematische und navigatorische, Probleme der Bewegung im driftenden Packeis, das bis zehn Kilometer pro Tag driftet. Als Laurie vor Jahren mit einer Expedition zu Fuss zum Nordpol kam, bauten sie exakt dort ihre Zelte auf, am naechsten „Morgen“ (am Nordpol gibt es keinerlei Unterschied zwischen Tag und Nacht, die Sonne kreist in nahezu gleichbleibender Hoehe ueber dem Horizont) hatte man sich auf dem driftenden Eis bereits vier Kilometer von Nordpol enffernt. Und natuerlich auch die nicht gerade kleine Schwierigkeit, mehr als 20 000 Tonnen Stahl in der heiklen Materie „Meereis“ so exakt zu steuern. Aber wir wissen, was wir den Passagieren schuldig sind: ein Foto des GPS-Monitors mit der Anzeige „90 Grad 00,000 Minuten“.

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-10

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July 10th, 2008 | 10:18 am

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-10

Auf See.

Um halb acht Uhr morgens haben wir eine geographische Breite von 82 Grad
31 Minuten erreicht. Es ist bedeckt, die Lufttemperatur betraegt drei Grad Celsius (plus). Unser Eisbrecher pfluegt sich mit zwoelf Knoten (22
Stundenkilometer) Geschwindigkeit durch mehr als ein Meter dickes Packeis. Uns trennen noch 450 Nautische Meilen (810 Kilometer) vom Nordpol.

Um elf Uhr beginne ich mit meinem Vortrag ueber Plattentektonik. Gerade als es so richtig schoen kompliziert und abstrakt und schwierig wird, als ich die paedagogische Schluesselstelle erreicht habe, an der ich das wiederholte Umkippen der Orientierung des magnetischen Erdfeldes im Laufe erdgeschichtlicher Zeiten und dessen fossile Aufzeichnung in den Basalten mittelozeanischer Ruecken und die Bedeutung dieser Vorgaenge fuer die Plattentektonik erklaere, Dinge also, die sich einem Laien nicht so ohne Weiteres wie von selbst erschliessen, genau in diesem Augenblick gibt meine Kollegin Kara ueber Lautsprecher das Auftauchen
eines Eisbaeren bekannt. Alles eilt nach draussen   und da trottet er
tatsaechlich ueber das Eis, der Eisbaer. Er hat mir die Show geklaut.
Die Vorstellung, man koenne mit Ausfuehrungen ueber fossile inverse Magnetisierungen in Gesteinen des Ozeanbodens gegen eine erste Eisbaerensichtung ankommen, waere mit dem Terminus Groessenwahn ziemlich unzureichend beschrieben. Der Bursche da draussen scheint mit seinem Publikumserfolg aber nicht sehr gluecklich zu sein; er gehoert zu den vorsichtigen Baeren, die dem sich nahenden Schiff nicht trauen und sich lieber zurueckziehen. Nach einer halben Stunde geht es mit dem Thema mittelozeanische Ruecken weiter – wo waren wir stehengeblieben?

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-09

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July 9th, 2008 | 10:14 am

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-09

Auf See.

13.40 Uhr, 77 Grad 58 Minuten Nord: Die ersten Treibeisschollen kommen uns entgegen. Spaeter faellt Schnee.

Ich stehe lange auf der Bruecke und schaue in die Wellen mit ihren Schaumkronen. Diese Beschaeftigung kann suechtig machen. Es scheint immer das gleiche zu sein, eintönig, was man da sieht, ist es aber nicht. Das kann man nicht erklaeren. Nebenher beobachte ich ein paar
Seevoegel: Dreizehenmoewen, Eissturmvoegel, Dickschnabellummen (doch, die heissen wirklich so).

19.10 Uhr, 79 Grad 33 Minuten Nord: Wir erreichen das Packeis. Wir stehen stundenlang auf der Bruecke (steuerbord) und halten Ausschau nach Eisbaeren. Ohne Erfolg. Eine Passagierin wirft in ihrer Kabine einen schnellen Blick aus der Luke (backbord) und sichtet auf einer rasch davontreibenden Eisscholle eine Eisbaerin mit Jungem.

Nun beginnt also unsere tagelange Fahrt durch das arktische Meereis, die unberechenbar-ruckelnde Bewegung des Schiffes wird zu einem maritimen Seins-Zustand, der am ersten Tag interessant, am zweiten noch ertraeglich, dann aber rasch nervig wird. Da muss man durch; und belohnt wird man von der nie langweilig werdenden wilden Schoenheit des Eis, dieser ganz speziellen „Landschaft“ aus Eisflaechen, langen Ruecken aus Presseis, die entstehen, wenn Eisschollen zusammengeschoben werden, einzelnen Eisbloecken, dazwischen Flaechen und Rinnen offenen Wassers.
An deren Rand liegt manchmal eine Robbe. Futter fuer Eisbaeren. Wir geben die Hoffnung nicht auf.

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-08

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July 8th, 2008 | 10:08 am

Eisbrecher „50 Let Pobedij“, 2008-07-08

Auf See. Etwas staerkerer Seegang.

Orientierung und Organisatorisches stehen heute auf dem Programm. Die Passagiere lernen das Schiff kennen. Wo ist der Vortragssaal, wo das Buero des Hotelmanagers, wo der Souvenirladen? Und vor allem: Wo geht es im Fall des Falles zu den Rettungsbooten?

Ich lerne meine deutschsprachigen Passagiere kennen, sie kommen aus der Schweiz, aus Oesterreich und Ungarn. Fuer sie werde ich in den kommenden zwei Wochen die wichtigsten Durchsagen des Expeditionsleiters ueber die Bordlautsprecher aus dem Englischen ins Deutsche uebersetzen sowie Vortraege auf Deutsch halten.

Abends wartet auf uns das Captains’s Welcome Cocktail & das Welcome Dinner. Das uebersetze ich jetzt nicht.

Wolfgang Bluemel, Lektor

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Our Adventure Enthusiast Blogging in German

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July 7th, 2008 | 2:30 pm

Wolfgang Bluemel is a German translator and is aboard our vessel 50 Years of Victory ’s second trip to the North Pole - July 6 to July 21, 2008.  He is posting first-hand account of his trip in German. 

Herr Wolfgang Bluemel begleitet uns an Bord der “50 Years of Victory” auf unserer zweiten Fahrt zum Nordpol in seiner Rolle als Deutsher Dolmetscher. Er wird seine Eindruecke dieser Reise in Deutscher Sprache auf dem Blog beschreiben.

 

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